
Mein neues (altes) Schätzchen: Die Nintendo Famicom
Kurz nach Weihnachten habe ich mir endlich ein lang ersehntes Stück Videospielgeschichte gegönnt: eine originale Nintendo Famicom – jene ikonische Konsole, die außerhalb Japans unter dem Namen Nintendo Entertainment System (NES) berühmt wurde. Während sie in Europa und den USA ab Mitte der 1980er zum Synonym für die Wiederbelebung der Branche avancierte, war ihr Werdegang alles andere als selbstverständlich.
Geboren in der Krise: 1983 und der Videospiele-Crash
Als die Famicom am 15. Juli 1983 in Japan auf den Markt kam, steckte die amerikanische Spielebranche in ihrer schwersten Krise: der „Video Game Crash“. Der Markt war übersättigt mit billigen, qualitativ mangelhaften Spielen, vor allem für den Marktführer Atari VCS. Der E.T.-Flop lässt grüßen. Die Verbraucher verloren das Vertrauen in Konsolen. Viele Händler wollten mit Videospielen nichts mehr zu tun haben – ein Albtraum für Nintendo, das gerade dabei war, den Westen zu erobern.
Doch die Famicom war von Anfang an anders konzipiert: Mit einem 8-Bit-Prozessor, 16 Farben (aus einer Palette von 54) und dem revolutionären „D-Pad“-Controller, eine Innovation des Game & Watch-Designers Gunpei Yokoi, setzte sie Maßstäbe. Nintendo-Pionier Masayuki Uemura, der das Projekt leitete, hatte klare Vorgaben: Die Konsole sollte günstig, zuverlässig und vor allem spielbar sein – im Gegensatz zu den klobigen, teuren Atari-Systemen. Ein patentierter Kopierschutz zudem Fremdanbieter behindern einfach eine Masse an Spielen zu veröffentlichen – ein Problem, das den Crash mitverursacht hatte.
Als Nintendo 1985 versuchte, die Konsole in den USA zu vertreiben, stieß man auf verschlossene Türen. Die großen Elektronikketten weigerten sich, das Gerät ins Sortiment zu nehmen – zu frisch waren die Erinnerungen an den Crash. Nintendo stand vor einem Dilemma: Sollte man das Projekt begraben oder alles riskieren?
Man entschied sich für Letzteres. Unter dem Namen Nintendo Entertainment System (NES) präsentierte man die Konsole in einem grauen Plastikgehäuse, das eher an einen VHS-Rekorder als an ein Spielgerät erinnerte – absichtlich, um Käufer nicht abzuschrecken. Zu der Veröffentlichung in den USA kam auch das „Robotic Operating Buddy“ (R.O.B.) heraus, eine per Fernsteuerung beweglicher Roboter, die als Zubehör beworben wurde. Dies gaukelte den Händlern vor, es handle sich um ein „High-Tech-Spielzeug“ – nicht um eine Konsole. Ein solcher Roboter steht auch noch auf meiner Wunschliste …
Nintendos Verkaufsargument war riskant, aber genial: Sie boten den Händlern an, nicht verkaufte Konsolen wieder zurückzunehmen – ein praktisch kostenloses Vertriebsmodell. Zum Glück erwies sich das NES als der erhoffte Hit: Titel wie Super Mario Bros., The Legend of Zelda und Metroid verkauften sich millionenfach und bewiesen, dass der Markt für qualitativ hochwertige Spiele nicht tot war – im Gegenteil. Und es gab praktisch keine Konkurrenz – alle anderen Firmen haben den Markt verlassen oder nur sehr schwach bedient, wie z.B. Atari mit dem Atari VCS oder Atari 7800.
Und was kommt noch?
Hätte nicht gedacht, das ich ein noch interessanteres Stück der Konsolengeschichte in diesem Jahr bekommen werde, aber darüber muss ich noch schreiben ….



